Flucht nach Palästina
Lebenswege Nürnberger Juden
Peter Zinke
320 Seiten, 45 Abb. schwarz-weiß, EUR 22,80 [D], ANTOGO Verlag, ISBN 978-3-9806636-5-6, 2003
Gedruckt mit Unterstützung der Kost-Pocher'schen Stiftung, Nürnberg und der 
In Nürnberg und Umgebung grassierte der Antisemitismus schon lange vor der Machtübernahme
der Nationalsozialisten. In den zwanziger Jahren galt manchen Beobachtern Franken als eine Hochburg,
wenn nicht sogar das Zentrum der Judenhetze im Deutschen Reich. Aus diesem Grund emigrierten viele
Nürnberger Juden noch rechtzeitig und entkamen damit der Vernichtung durch das NS-Regime.
Bei den überwiegend patriotisch gesinnten Nürnberger Juden bildeten die Zionisten jedoch
nur eine kleine Minderheit. Hinzu kam, dass die Bedingungen für einen Neuanfang im
Palästina der zwanziger und dreißiger Jahre denkbar schlecht waren. Deshalb emigrierte
nur weniger als ein Zehntel der jüdischen Bevölkerung aus Nürnberg in das
spätere Israel. Die Länder USA, England oder Südamerika erschienen den meisten
Juden attraktiver.
Von den ursprünglich knapp 400 Nürnberger Jeckes (deutsche Juden in Israel) besuchte
Peter Zinke - mehr als ein halbes Jahrhundert nach deren Flucht - 38 und sprach mit ihnen
über ihre Erinnerungen an die alte Heimat und den Neubeginn in Palästina. Dabei erfuhr
er von - teilweise dramatischen - Lebenswegen, die oft aus gutbürgerlichen Verhältnissen
in eine karge Existenz im Wüstensand führten. Doch häufig war der Idealismus und die
Einsatzbereitschaft für den Aufbau eines jüdischen Staates bei den jungen Einwanderern
beinahe grenzenlos.
Nicht wenige Nürnberger Jeckes träumten von der Zukunft in einer sozialistischen und
freien Gesellschaft. Deshalb schlossen sie sich verschiedenen Kibbuzim an, in denen alles inklusive
der Unterwäsche Gemeineigentum war. Einige kamen mit dieser Lebensform zurecht und leben heute
noch in Kollektivsiedlungen, andere verließen die Gemeinschaften und versuchten ihr
individuelles Glück. So kommt die erste aus Deutschland stammende Knessetabgeordnete aus
Fürth, der langjährige Leiter der Jerusalemer Erziehungsbehörde und enge Kollege
Teddy Kolleks besuchte die Nürnberger Bismarck-Schule, bedeutende israelische Malerinnen
wuchsen in der Noris auf und einer der bekannten Fotografen Israels verbrachte seine Kindheit
gleichfalls in Franken. Auch die erste Würstchenbude in Tel Aviv wurde von einem
Nürnberger Juden betrieben. Andere versuchten sich als Hühnerzüchter oder bauten
erfolgreiche Wirtschaftsbetriebe auf. Dennoch hatten manchen Emigranten in Palästina auch
herbe Enttäuschungen zu verkraften: Statt sich ihren Lebenstraum vom gutsituierten Arzt
oder Rechtsanwalt erfüllen zu können, mussten sie sich als Drucker oder Landwirt
verdingen.
Probleme hatten die meisten Neueinwanderer zudem mit der ihnen fremden hebräischen Sprache,
den unbekannten Speisen sowie den Vorurteilen der russischen und polnischen Juden, die schon
länger im Land waren. Hinzu kamen gewaltsame Auseinandersetzungen mit der arabischen
Bevölkerung sowie die vielen Kriege, die der Staat Israel mit seinen Nachbarn führen
musste. So vielfältig die einzelnen Lebensgeschichten sind, so unterschiedlich ist auch das
jetzige Verhältnis der Jeckes zu Nürnberg - und die politischen Ansichten der Befragten
decken das gesamte Parteien-Spektrum in Israel von links bis rechts ab.
Neben den authentischen Erinnerungen, die mit zahlreichen historischen Fotografien illustriert
sind, runden Hintergrundkapitel über Antisemitismus in Nürnberg, zionistische
Aktivitäten in Franken sowie ein Abriss der Geschichte Palästinas/Israels den
Band ab.
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letzte Änderung: 04.09.2009 webmaster: atg-design
© Nürnberger Institut für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20.
Jahrhunderts e.V.
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